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Arbeitszeugnis - Gut oder nur gut verschlüsselt?

Das Arbeitszeugnis ist wohl das wichtigste Kriterium einer Bewerbung beim potentiellen Neuarbeitgeber. Ist der Gesamteindruck des Zeugnisses nicht mindestens gut, kommt die Bewerbung wohl niemals in die engere Auswahl. Aber ist das erteilte Zeugnis auch wirklich gut?

Beispiel 1:
Er zeigte eine gute Arbeitsmotivation
Beispiel 2:
Er war motiviert und zeigte auch Eigeninitiative.

Zeugnis-Formulierungen wie diese entstammen keiner "Geheimsprache" der Arbeitgeber, vielmehr sind sie Folge einer Rechtssprechung, die ursprünglich dem Schutz des Arbeitnehmers dienen sollte. Denn der Bundesgerichtshof stellte in einem richtungsweisenden Urteil vom 26. November 1963 klar, dass der Arbeitgeber aufgrund seiner "auch über das Ende des Dienstverhältnisses hinausweisenden sozialen Mitverantwortung" verpflichtet sei, das Zeugnis nicht nur der Wahrheit entsprechend, sondern auch mit verständigem Wohlwollen abzufassen. Im Klartext heißt das: Ein Arbeitgeber darf bei der Zeugnisschreibung nicht die "übellaunige" Absicht haben, einem ausscheidenden Mitarbeiter zu schaden.

Die oben genannten Beispiele erfüllen diese Vorgaben und könnten auf den ersten Blick auf eine gute Note hindeuten. Übertragen auf Schulnoten bedeutet Beispiel 1 aber lediglich eine Note zwischen 3 und 4, Beispiel 2 sogar nur eine Note zwischen 4 und 5.

Daneben haben sich im Laufe der Zeit die sog. "Geheimcodes" in Zeugnisformulierungen eingebürgert, die jedoch gesetzlich unzulässig sind. ( 113 III GewO)

Beispiel 3:
Er war ein beliebter und geselliger Mitarbeiter und bewies für Belange der Belegschaft Einfühlungsvermögen.
Beispiel 4:
Sie war eine umgängliche Kollegin.

Auch diese Formulierungen scheinen auf den ersten Blick positiv zu sein. Aus der Geheimsprache übersetzt bedeutet Beispiel 3 jedoch, dass der Mitarbeiter ein Alkoholiker ist, der sexuelle Kontakte zu Kolleginnen gesucht hat und bei Beispiel 4 handelt es sich um eine absolut unbeliebte Kollegin über deren Ausscheiden sich der ganze Betrieb freut.

Bei solchen oder vergleichbaren Formulierungen hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit ggf. durch eine Zeugnisberichtigungsklage vor dem Arbeitsgericht auf Entfernung dieser Geheimcodes zu klagen. Eine Überprüfung des Arbeitszeugnisses durch einen Rechtsanwalt empfiehlt sich daher dringend. Innerhalb unserer Kanzlei berät Sie hierzu Herr Rechtsanwalt Malecha, der in der Kanzlei für den Bereich des Arbeitsrechts zuständig ist.

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